
Das finnische Weihnachtsfest ist tief in Traditionen verwurzelt, von denen viele hunderte oder gar tausende Jahre zurückreichen. Für die Finnen ist Weihnachten eine Zeit der stillen Ruhe, die sich nur dann einstellt, wenn der Schnee das Land in stillem Weiß erstrahlen lässt; wenn der Tag so dunkel ist wie die Nacht und jedes Licht dadurch umso schöner leuchtet; wenn das köstliche Essen und die fröhliche Gesellschaft geliebter Menschen einen wunderbaren Kontrast zum inneren, einsamen Frieden bilden. Es ist die Zeit für alle Sinne.

Wenn Finnen davon sprechen, in Weihnachtsstimmung zu kommen, nutzen sie den Ausdruck, sich auf die Atmosphäre „einzustimmen“ – ganz wie ein Musikinstrument. Tatsächlich spielt Musik eine entscheidende Rolle, um das richtige Ambiente zu schaffen. Viele der beliebtesten Weihnachtslieder haben eher nachdenkliche Melodien und Texte; sie bieten inmitten des festlichen Trubels einen Moment des Innehaltens und der Reflexion. Während sich in dieser Zeit so vieles um das Alltägliche dreht, begleiten die finnischen Weihnachtslieder mit ihrer ergreifenden Sehnsucht den Hörer auf eine Reise nach innen.
Die Fichte ist für die Finnen seit jeher der einzig wahre Weihnachtsbaum. Der charakteristische Duft des immergrünen Baumes und der Hyazinthen, der durch das Haus weht, heißt die Jahreszeit willkommen. Die Dekorationen werden hervorgeholt, und damit beginnt das Ritual der Weihnachtsvorbereitungen. Prachtvolle Ornamente werden behutsam am Baum platziert, und Kerzenleuchter erstrahlen auf den Fensterbänken. Festliche Tischdecken und Servietten verleihen der Tafel eine ganz besondere Eleganz.
Das Weihnachtsessen ist ein Genuss, der sowohl die Sehnsucht nach Nostalgie als auch die Lust auf Neues stillt, da viele Gerichte traditionell nur einmal im Jahr auf den Tisch kommen. Nuancen von aromatischen Nelken, duftendem Zimt, spritzigem Ingwer und blumigem Kardamom verleihen den Köstlichkeiten der Saison ihr besonderes Aroma. Es liegt eine ganz eigene, friedvolle Ruhe darin, an der süß-würzigen Wärme eines Glögi zu nippen, nachdem man einen Spaziergang an der klaren Winterluft gemacht hat – eingekuschelt in eine warme Wolldecke, während man draußen dem Schneefall zusieht.
Inmitten all der Festlichkeit spendet die Weihnachtssauna Trost für die Seele. Mit dem sanften Zischen des Löyly erfüllt ein Gefühl der Ehrfurcht und stillen Einkehr den Geist. Für einen kleinen Augenblick, der eine Ewigkeit zu dauern scheint, gibt es kein Müssen und kein Tun, sondern nur ein pures Sein. Danach hüllen Leinenhandtücher den Körper in eine ruhige Weichheit, die weit über das rein Körperliche hinauszugehen scheint.


Die saisonale Beleuchtung spielt in der finnischen Weihnachtszeit eine zentrale Rolle und erhellt die stimmungsvolle Dunkelheit mit ihrem warmen Schein. Im Haus zählen die Adventskerzen die Tage bis zum Fest, während draußen unzählige Lichterketten, Außenkerzen und selbstgemachte Eislaternen den Weg nach Hause weisen.
Viele Menschen bringen zudem Gedenkkerzen zu den Friedhöfen, um den Verstorbenen die Ehre zu erweisen. Die Weihnachtszeit findet ihren Abschluss am Dreikönigstag, der auf Finnisch Loppiainen heißt (6. Januar). Der finnische Name teilt seine Wurzeln mit dem Wort loppu, was „Ende“ bedeutet – somit bezieht sich Loppiainen wortwörtlich auf das Ende der Weihnachtszeit. Es ist an der Zeit, die vertrockneten Fichtennadeln aufzukehren und die Dekorationen zu verstauen, um auf das nächste Weihnachtsfest voller langlebiger und herzlicher Traditionen zu warten.
Text: Jenna Suomela
Fotos: Katja Lösönen

Inmitten all der Festlichkeit spendet die Weihnachtssauna Trost für die Seele.







